Restaurationstagebuch meines Hercules Rollers:

Hier ein Bild meines Rollers, so wie ich Ihn vom Vorbesitzer gekauft habe. Dahinter steht noch eine NSU Quickly F23 von 1965.

 

September 2002:

Am 1. September 2002 war es soweit: Ich fuhr nach Süddeutschland um "meinen" Hercules Roller 50 abzuholen. Laut den Angaben des Vorbesitzers sollte das Fahrzeug im Originalzustand sein und auch die Originalpapiere sowie Garantiekarte und Schlüssel sollten noch vorhanden sein. Den optischen Zustand beschrieb er als "OK". Der Motor hatte eine Laufleistung von ca. 25.000 km, wurde aber nach seinen Angaben schon mal überholt. Das Baujahr war 1969.

Nach einer kurzen Probefahrt wurden wir uns schnell handelseinig. Der Motor lief, zwar etwas unwillig, aber laut Vorbesitzer war der Sprit schon lange drin und der Vergaser ziemlich verschmutzt (sagen das nicht alle Verkäufer ???).  Der optische Zustand war für mich zwar schlechter als beschrieben, aber dafür sollte ich noch einen LKH Ersatzmotor dazu bekommen. Die Farbe war oft mit einem Pinsel und etwas Farbe völlig unprofessionell ausgebessert worden und der Rückspiegel war am Beinschild befestigt. Hierzu wurde einfach ein "riesen" Loch ins Beinschild gebohrt und den Spiegel dort befestigt.! Da ich vorhatte den Roller von Grundauf zu restaurieren und neu zu lackieren, war dies kein Hinterungsgrund. Hauptsache er war fahrbereit und komplett! Im Werkzeugfach fand ich später sogar noch die originale Werkzeugtasche mit Werkzeug

Zuhause angekommen habe ich gleich den Vergaser abgebaut und zerlegt. Dabei zeigte sich wirklich eine ziemliche Verstopfung der Haupt- und Nadeldüse. Nach einer Komplettreinigung im Ultraschallbad und einem Austausch des Benzingemisches lief der Motor dann wesentlich ruhiger, aber: Er nahm immer noch unwillig Gas an und es qualmte recht stark aus dem Auspuff. Die Zündkerze sah ziemlich verrußt aus. Also erstmal die Zündkerze tauschen und den Motor richtig warm fahren.... Nach ein paar Kilometer qualmte es schon wesentlich weniger und der Motor lief einigermassen ruhig. Bei Lastwechsel merkte ich manchmal ein Klappern im Zylinder und am Berg fing der Motor das Stottern an. Das Zündkerzenbild zeigte nun eine hellbraune Farbe, also lief der Motor etwas mager. Nach dem Abbau des Zylinders dann die Ernüchterung: Das obere Pleuellager ist ausgeschlagen und der Kurbelwellenraum ist völlig versift.. .An der Zylinderdichtung konnten Profis erkennen, daß der Motor kräftig Falschluft zog. Deshalb wohl auch das zu magere Gemisch. Immerhin lief der Roller in diesem Zustand knappe 60 km/h mit Originalritzel. Nicht auszudenken wenn dabei der Kolben geklemmt hätte !Der Zylinder hat schon das dritte Übermaß und der Kolben ist kein Originalkolben. Die Originalkolben haben Kolbenringnuten mit 2 mm Spaltmaß, mein Kolben hat eine Kolbenringnut von 1,5 mm. Da ist dem Vorbesitzer wohl man der Kolbenring geplatzt !  Das Öl sah noch relativ sauber und neu aus. Benzingeruch im Öl konnte ich keinen feststellen. Aufgrund der hohen Kilometerleistung soll der Motor aber komplett überholt werden. Wer kann mir dabei behilflich sein ?

Oktober 2002:

Auf der Veterama kann ich einen werksüberholten Originalzylinder mit passendem Kolben in der Originalverpackung von Sachs erstehen ! Die Sache mit dem Zylinder ist also ausgestanden ! Weiterhin bekomme ich eine neue Pleuelbuchse.

 

Dezember 2002:

Mittlerweile habe ich den Roller bis auf die letzte Schraube zerlegt. Dabei ist mir aufgefallen, daß einer der Vorbesitzer ein ca. faustgroßes Loch (!) im Chassis seitlich mit viel Spachtel verschlossen hat. Ich frage mich: Wie kommt solch ein großes Loch in die Seite des Chassis ? Beim Zerlegen ist mir auch noch der Antrieb des Hinterrades aufgefallen: Normalerweise ist das Hinterradritzel ja direkt an der Felge befestigt, nicht so bei diesem Roller ! Das Ritzel sitzt auf einer Art Glocke, welche wieder auf der Innenseite Plastikkrallen aufweist, die wiederum in Krallen der Hinterradfelge eingreifen. Wenn ich die Teile gesäubert habe, werde ich mal ein Bild von den Teilen machen. Wieso hat KTM/Hercules nicht einfach das Ritzel auf die Felge geschraubt ? Das wären ein paar Verschleißteile weniger gewesen. Die abgebauten Teile werde ich nun in den nächsten Wochen reinigen und überholen. Die zu lackierenden Teile sollen in den nächsten Wochen alle zum Sandstrahler und entrostet bzw. entlackt werden. Gut daß ich einen Sandstrahler an der Hand habe, der schon einige Roller und Bleche gestrahlt hat, er weiß also auf was es ankommt, damit sich die Bleche nicht verziehen. Aufgrund der "hohen" Fahrleistung habe ich die Radlager ausgebaut, da diese schon ein bischen ruppig laufen. Diese werden jetzt ersetzt und dann die Räder wieder auf Hochglanz poliert. Es ist schon erstaunlich, wieviel Schmutz sich auf und in einer Felge ansammeln kann, auch im Kettenkasten. Das Zeug ist oft so fest, daß es noch nicht mal mit Kaltreiniger und Hochdruckstrahl sauber wird. Aber ich habe ein "Geheimmittel": Sägekettenreiniger der Fa. Divinol. Dieses Zeug löst auch stark verharzte Verunreinigungen sehr gut.

Ich überlege, wie ich das Loch im Chassis am besten wieder verschwinden lassen kann. Ich schwanke zwischen selbst versuchen oder die Sache meinem Blechkünstler geben. Zur Auswahl beim Selbstversuch steht Kaltmetall. Hat das jemand schon mal versucht und kann mir seine Erfahrungen damit mitteilen ?

 

Fortsetzung folgt.....