Modellgeschichte und Ersatzteilversorgung (von Christian Narr, Rollerreferent der Hercules IG)

  

Der Hercules Roller 50/50S wurde 1963 vorgestellt und während seiner gesamten Bauzeit zweimal geringfügig verändert. Es ergeben sich somit 3 verschiedene Modellvarianten, die der unten aufgeführten Liste zu entnehmen sind. Er war erhältlich mit einem 2,6 PS starken gebläsegekühlten 3 – Gang Motor und wurde verkauft unter der Bezeichnung Hercules Roller 50.

Die Kleinkraftradvariante 50S, die heute schon sehr selten zu finden ist, leistet 4,3 PS und ist mit einem 4 – Gang Getriebe ausgestattet.

Der Roller besitzt ein Vollschwingenfahrwerk mit hydraulisch gedämpften Federbeinen. Der Tankinhalt beträgt ca. 8 Liter. Der Sachs Motor hat einen Hubraum von 47ccm ( 38mm Bohrung x 42mm Hub ) und er benötigt ca. 3 Liter Gemisch ( 1:25 ) auf 100 km.

 

 

Bauzeit

Typ

Motor

Vergaser Bing

V.max.

Variante 1

1963 - 1967

50

50 S

50/3 MB

50/4 LKH

1/12/168 HD 68

1/17/49 HD 74

40

70

Variante 2

1968 - 1974

50

50 S

50/3 MB

50/4 LKH

1/12/168 HD 68

1/17/49 HD 74

40

70

Variante 3

1975 - 1979

50

50/3 MB

1/12/168 HD 68

40

 

Der Roller wurde u.a. in fast baugleicher Form von den Firmen Rabeneick und KTM verkauft. Bei KTM, wo der Roller während seiner gesamten Bauzeit gefertigt wurde, besaß er die Bezeichnung Pony und später Pony 2 de Luxe. Der KTM Roller wurde aber nicht nur mit dem Sachs Motor, sondern auch mit einem Motor der Firma Puch gebaut. Die genauen technischen Angaben dieses Motors sind mir leider nicht bekannt, ich werde sie aber sobald mir weitere Informationen zur Verfügung stehen, an dieser Stelle noch ergänzen.

Auch wurde ein „ Ableger “ von der Firma Gritzner gefertigt, der sich durch eine geänderte Karosserie und die äußerst seltenen Doppelscheinwerfer auszeichnet. Diese Variante ist ansonsten in vielen technischen Details mit dem Hercules Roller identisch.

 

Variante 1 : Das „ Urmodell “ war noch etwas spartanisch ausgestattet. Der vordere Scheinwerfer war recht klein gehalten und lag etwas zurückversetzt im Lampenträger. In diesem war oben ein runder Tacho von VDO eingelassen. Ein Bremslicht gab es noch nicht. Die Hercules – Schriftzüge waren direkt seitlich an der Karosserie befestigt. Auf dem Bodenblech gab es zum Schutz vor Beschädigungen schmale, aufgesetzte Gummistreifen. Die Fahrzeuge wurden in blau/weißer Zweifarbenlackierung ausgeliefert.

 

                                                                                   

Hercules Roller 50 S aus dem Jahre 1964 (Variante 1)

 

Variante 2 : Die wie ich finde schönste Ausführung ! Der Scheinwerfer geriet hier deutlich größer. Dies hatte zur Folge, daß der Lampenträger ebenfalls geändert werden mußte. In diesem befand sich nun ein rechteckiger Tacho, dessen Skala je nach Ausführung bis 60 km/h oder bis 100 km/h anzeigte. Das Zifferblatt war weiß oder silber. Die seitlichen Schriftzüge wurden nun auf einem verchromten Rahmen an der Karosserie befestigt. Zusätzlich erhielt der Roller ein über dem Rücklicht montiertes Bremslicht. Die schmalen Gummistreifen wichen einer soliden Fußmatte, die heute als Ersatz nicht mehr zu bekommen ist. Die Roller wurden in silberner Farbe lackiert.

 

Variante 3 : Die magerste Ausführung ! Der normale Fußschalthebel mußte einer sogenannten Schaltwippe weichen, die etwas gewöhnungsbedürftig zu fahren ist. Die seitlichen Chromrahmen mit den Schriftzügen wurden durch simple Hercules - Aufkleber ersetzt. Die Fußmatte blieb erhalten, ist aber bedingt durch die Schaltwippe, nicht identisch mit der von Variante 2. Das macht die Ersatzteilsituation nicht gerade einfacher. Leider trifft das auch auf den Tacho zu, der sich nicht nur rein äußerlich durch das schwarze Zifferblatt unterscheidet. Die Skala reicht hier ebenfalls bis 100 km/h. Die als Extra zu bestellende 4 - fach Blinkanlage möchte ich persönlich als „ drangeschustert “ bezeichnen. Das müssen auch viele Käufer so gesehen haben, denn man findet selten einen Roller an dem sie montiert ist. Es kann durchaus vorkommen, daß auf der Sitzbank schon ein weißer KTM – Schriftzug „ leuchtet “. Diese Fahrzeuge wurden in kobaltblau – metallic lackiert, und diese Farbe macht auch deren besonderen Reiz aus.

                                                                                       

Hercules Roller 50 aus dem Jahre 1978 (Variante 3)

 

Sollte sich nun jemand ermutigt fühlen, solch einen Roller zu restaurieren, so kann ich nur sagen, daß er damit ein oft unterschätztes Fahrzeug erwirbt. Bei entsprechenden  „Verbesserungen“ am Motor der 50S kann man durchaus mit einem serienmäßigen Kleinkraftrad mithalten. Das Fahrwerk ist sehr gutmütig und läßt höhere Geschwindigkeiten problemlos zu. Den Überraschungseffekt hat man zumindest immer auf seiner Seite. Man fährt ein recht wenig bekanntes Fahrzeug und lernt schnell neue Leute kennen. Häufig habe ich auf Treffen folgenden Satz gehört. „ Ich wußte gar nicht, daß Hercules solche Roller gebaut hat “.

 

Die Ersatzteilversorgung sieht allerdings nicht so gut aus wie bei anderen Modellen. Die oben erwähnte Fußmatte ist gar nicht mehr zu bekommen. Gleiches gilt für die seitlichen Schriftzüge. Mein besonderer Dank gilt hier an dieser Stelle meinem Freund Rüdiger, der in unzähligen Stunden an der Werkbank diese Schriftzüge perfekt nachgefertigt hat. Auch der Tacho der 50S zählt zu den Exoten, ist aber noch zu bekommen. Blechteile finden sich noch des öfteren, sind aber meist im schlechten Zustand. Oftmals finden sich in der Karosserie Bohrlöcher von nachträglich angebauten Spiegeln, Packtaschenhaltern o.ä. .

Auch sollte man den Rost nicht unterschätzen, besondere Beachtung verdienen hier die Bodenbleche. Der vordere Kotflügel rostet häufig im Bereich der Stoßdämpferaufhängung durch. Alle günstig angebotenen Ersatzteilträger weisen meist dieselben Schäden auf, so daß man viele Teile mühevoll nachfertigen muß. Technikteile wie Bremsen, Motorteile o.ä. sind noch zu einem vernünftigen Preis zu erhalten.